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Schießstätte an der Bernauer Straße
Ausschnitt aus der ältesten Ortsansicht von Prien 1732/33
(mit freundlicher Genehmigung der Marktgemeinde Prien;
Fotoreproduktion Berger)

1529

Die Türken stehen vor den Toren Wiens. In dieser Zeit höchster Gefahr dürfte die Schützengilde der Herrschaft Wildenwarth gegründet worden sein, mit einer Schießstatt im Hauptort Prien. Wer Besitztum hat, muss Schützendienst leisten. Um 1600 wird ein Übungsgelände im “Weydach” zugewiesen. Die 1550 geschlossene und erst nach 1583 wieder geöffnete Schießstatt war mittlerweile verfallen. 1552 ist der erste Büchsenmacher von Prien, Bartholome Zanndt, erwähnt. Er dürfte schon vor der Schließung der Schießstatt dagewesen sein.

1608

Der Tiroler Adelige Ferdinand Schurff heiratet Sophia von Freyberg, die Erbin der Herrschaft Wildenwarth, und wird 1610 Gerichtsherr. Damit übernimmt er die Schützengilde, erneuert sie und lässt 1617 eine neue Schießstatt an der Bernauer Straße - heute Weidacher-Parkplatz - bauen. Ab diesem Zeitpunkt wird regelmäßig ein Rechnungsbuch (Chronik) geführt.

1704

Im spanischen Erbfolgekrieg sind die Herrschaftsschützen zum Heimatschutz auf Schloss Hohenaschau und der Herreninsel eingesetzt. 1732 wird erstmals eine Schießstatt ganz aus Stein erbaut. Der repräsentative Bau unterstreicht seine gesellschaftliche Bedeutung durch einen sechs- oder achteckigen Grundriss und einen mehrfenstrigen Dachaufbau (s.Bild oben).

1771

Der letzte Schurff verkauft die Herrschaft Wildenwarth an Graf Preysing-Hohenaschau. 1796 werden die militärisch nicht mehr notwendigen Schützengilden in die Freiheit staatlich kontrollierter Gesellschaften entlassen. In Prien geht das Schießen wie gewohnt weiter. Kurfürst Carl Theodor erlässt eine neue Schützenordnung. Damit stehen allen “ehrlichen, rechtschaffenen” Männern “ohne Rücksicht des Standes” die Schützengesellschaften offen. Ab 1810 schießt erstmals ein ausserhalb des Gerichts ansässiger Schütze in Prien.
1829 wird das Schützenhaus umgebaut. Das Gebäude ist nun rechteckig, aber der Dachaufbau bleibt bis zum erneuten Umbau 1871 erhalten.

Schützenhaus an der Bernauer Straße
Ausschnitt aus einer Jubiläumsscheibe 1870

Schützenhaus an der Bernauer Straße
Ausschnitt aus der Scheibe zur Eröffnung nach dem Umbau 1871

1848

Die adelige Gerichtsbarkeit geht an den Staat über. 1868 erteilt König Ludwig II. das königliche Privileg. 1878 muss der Schießbetrieb an der Bernauer Straße aus Sicherheitsgründen eingestellt werden. Aus dem gleichen Grund wird 1929 der nächste Standort an der Schützenstraße nahe der Seestraße (bei der jetzigen Gärtnerei Krumrey) aufgegeben. Der Neubau im Eichental wird 1936 eröffnet. Etwa ab dem Kriegsjahr 1943 ist der Schießbetrieb praktisch eingestellt.

Schützenhaus an der Schützenstraße
Ausschnitt aus der Scheibe zum Endschießen 1904
(gemalt von dem Münchner Ludwig Merkel, der Koch auf der Herreninsel war)

1945

Die Amerikaner beschlagnahmen die Schießstatt zu Übungsschießen. Das Schützenhaus dient 1946 den Sudetendeutschen als Zufluchtsstätte. Als die Schützen das Haus 1949 zurück erhalten, dürfen sie nur kegeln. Für die ab 1951 wieder erlaubten Luftdruckwaffen steht nur ein einziger Luftgewehr-Schießstand zur Verfügung. Ab 1959 schießen die Feuerschützen im “Bayerischen Hof” an 6 Ständen. 1966 werden am Schützenhaus 12 Luftgewehrstände angebaut.

Schützenhaus im Eichental
Ausschnitt aus der Scheibe zur Standeröffnung 1985
(gemalt von Paul Paulus)

Seit dem Ausbau von 1985 gibt es neben zwanzig Luftgewehr-Ständen und einem 90-Meter-Bogenplatz auch dreizehn 50-Meter-Stände für Klein- und Großkaliber.
Seither kann in Prien, wie schon vor Jahrhunderten, wieder mit traditionellen Feuerwaffen geschossen werden.


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